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Jill
begleitete mich ein Drittel meines Lebens. Sie war kein spektakulärer
Hund,
wir konnten weder besondere Leistungen im Hundesport erbringen, noch
erzielten
wir große Erfolge auf Ausstellungen und doch habe ich ihr so unendlich
viel zu
verdanken. Sie war für mich das Tor in eine neue Welt. Von der ersten
Minute,
als sie bei mir auf dem Schoß lag, war ich mit dem Border Collie Virus
infiziert
und ich weiß dass es eine lebenslange Liebe bleiben wird. Die Wahl war
auf Jill
gefallen, weil sie als einzige ihrer Geschwister am Gitter stand und
zusah, als wir
bei der Familie Sehner die Schafe herein holten, weil sie uns bestechend
freundlich
und umwerfend charmant begegnet war und zielstrebig auf unsere
Kontaktaufnahme
reagiert hatte. Auf dem Weg nach Hause war ich der wohl glücklichste
Mensch der
Welt, hatte sich doch mit einem Border Collie ein lang gehegter Wunsch
erfüllt.
Jill fügte sich schnell in unser Leben ein, lediglich fremde Männer
waren ihr
zeitlebens etwas suspekt und sie reagierte angemessen vorsichtig.
Durch sie hat sich mir eine völlig neue Welt erschlossen. Schon immer ein
Tiernarr
lernte ich auf Seminaren das richtige Handling und den Umgang mit
einem
hochspezialisierten Hütehund. Wir wurden Schafhalter und Jill war bald
die
unentbehrliche Helferin beim Handling unserer kleinen Herde bayerischer
Steinschafe.
Durch eine Unachtsamkeit meinerseits wurden ihr von unserem ersten
Schafbock
zwei Schneidezähne ausgeschlagen. Ich hatte den Bock total unterschätzt,
als dieser
mit Anlauf auf mich losgehen wollte. Jill hatte die Lage richtig
eingeschätzt und ihn
kurz bevor er mich über den Haufen rennen konnte, abgefangen - sie war da
gerade
mal 12 Monate alt.
Jill
hatte immer eine liebenswert schrullige Art, eine etwas eigenwillige
Persönlichkeit
und sie war für jeden Spaß zu haben.
Als nach zweieinhalb Jahren Grace eingezogen
ist, waren die beiden
Freunde, eine Freundschaft, die das ganze Leben angedauert hat.
Nie gab
es
zwischen den beiden Mädchen nur eine einzige Streitigkeit, keine
Aggression,
niemals irgendeine Form von Geknurre. Jill war Grace' beste Freundin und
ihre
geduldigste Spielgefährtin.
Jill hat uns auf vielen Reisen begleitet. Ihr habe ich es zu verdanken,
dass sich
mir eine völlig neue Welt der Hundeausbildung erschlossen hat und nicht
nur das,
durch diesen unscheinbaren schwarz-weißen Hund habe ich Freunde auf
der
ganzen Welt gefunden. Wäre sie nicht gewesen, wer weiß, vielleicht wäre
ich nie
zum Obedience gekommen, vielleicht hätte ich nie zu züchten angefangen
und
jetzt lägen mir nicht sieben weitere Border Collies zu Füßen.
Von der ersten Nacht bei uns hat sie neben meinem Bett geschlafen, ihr
Platz, ein
Leben lang. Auch als sie inkontinent wurde und weder Kot noch Urin halten
konnte.
Wir haben uns arrangiert, alles mit Decken abgedeckt. Eineinhalb Jahre
haben wir
eine Art Altenpflege bei ihr betrieben. Leider blieb es ihr dabei nicht
erspart, dass
wir sie fast jeden Tag hinten abduschen mussten. Dennoch war ihre
Lebensfreude
ungebrochen. Nicht selten versuchte sie, Seven das Spielzeug abzunehmen
oder
mir im Winter einen Handschuh zu klauen. Bis zum letzten Tag hat sie uns
auf unserem
Spaziergang begleitet. Als ich abends an diesem Tag von der Arbeit nach
Hause
gekommen war, lag sie in der Küche, nicht mehr in der Lage von alleine
aufzustehen.
Der Zeitpunkt, den letzten gemeinsamen Schritt zu gehen, war gekommen.
Am 14. Mai um 19.15 Uhr haben wir von ihr Abschied genommen. Sie ist
friedlich
neben mir eingeschlafen, nagte bis zuletzt an einem getrockneten
Schweinefuß,
eine Delikatesse, die wir ihr lange Zeit vorenthalten mussten, weil sie
diese Dinge
nicht mehr vertragen hatte. Der
Rest unserer Meute hat ihr stets Respekt gezollt, sie war nie ein
Auslöser
für Streitigkeiten, ganz im Gegenteil, sie sorgte für Ruhe und Ordnung
zwischen den
anderen Hunden. Bei Spaziergängen war sie es, die sich vor unsere Hunde
gestellt hat
um fremde Hunde abzublocken. Mit zunehmendem Alter wurde Luke zu ihrem
Partner,
der bei den Spaziergängen nur selten von ihrer Seite wich, der sich nach
ihr umsah,
wenn sie wieder trödelte, der abends in ihrer Nähe lag.
Es wird
sicherlich noch einige Zeit dauern, dass wir uns während eines Spaziergangs
nicht mehr umdrehen, um uns zu versichern, dass sie auch mitkommt. Sie
hatte es
sich im Alter angewöhnt, öfter mal stehen zu bleiben, um nach fressbaren
Dingen
zu suchen. Werner
und ich haben sie im Garten begraben, dort wo sie ihre letzte Ruhestätte
gefunden hat, fängt gerade die frisch gepflanzte Rose damit an, ihre
ersten Blüten
zu öffnen. |
Ein Leben in
Bildern
 
 
 

 
 
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