Jacky vom Thurnhof "Jill"
21. Juni 1994 bis 14. Mai 2009
VDH-ZBrH 1618, Züchter: Herbert Sehner
WT: 21. Juni 1994, HD A, CEA-frei, kastriert
PRA affected
BH, A 1, Teamtest
15 Jahre an meiner Seite 
und doch war unsere gemeinsame Zeit zu kurz . . .
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Jill begleitete mich ein Drittel meines Lebens. Sie war kein spektakulärer Hund,
wir konnten weder besondere Leistungen im Hundesport erbringen, noch erzielten
wir große Erfolge auf Ausstellungen und doch habe ich ihr so unendlich viel zu
verdanken. Sie war für mich das Tor in eine neue Welt. Von der ersten Minute,
als sie bei mir auf dem Schoß lag, war ich mit dem Border Collie Virus infiziert
und ich weiß dass es eine lebenslange Liebe bleiben wird. Die Wahl war auf Jill
gefallen, weil sie als einzige ihrer Geschwister am Gitter stand und zusah, als wir
bei der Familie Sehner die Schafe herein holten, weil sie uns bestechend freundlich
und umwerfend charmant begegnet war und zielstrebig auf unsere Kontaktaufnahme
reagiert hatte. Auf dem Weg nach Hause war ich der wohl glücklichste Mensch der
Welt, hatte sich doch mit einem Border Collie ein lang gehegter Wunsch erfüllt. 
Jill fügte sich schnell in unser Leben ein, lediglich fremde Männer waren ihr 
zeitlebens etwas suspekt und sie reagierte angemessen vorsichtig.
Durch sie hat sich mir eine völlig neue Welt erschlossen. Schon immer ein Tiernarr
lernte ich auf Seminaren das richtige Handling und den Umgang mit einem
hochspezialisierten Hütehund. Wir wurden Schafhalter und Jill war bald die
unentbehrliche Helferin beim Handling unserer kleinen Herde bayerischer Steinschafe.
Durch eine Unachtsamkeit meinerseits wurden ihr von unserem ersten Schafbock
zwei Schneidezähne ausgeschlagen. Ich hatte den Bock total unterschätzt, als dieser
mit Anlauf auf mich losgehen wollte. Jill hatte die Lage richtig eingeschätzt und ihn
kurz bevor er mich über den Haufen rennen konnte, abgefangen - sie war da gerade
mal 12 Monate alt. 


Jill hatte immer eine liebenswert schrullige Art, eine etwas eigenwillige Persönlichkeit
und sie war für jeden Spaß zu haben. Als nach zweieinhalb Jahren Grace eingezogen 
ist, waren die beiden Freunde, eine Freundschaft, die das ganze Leben angedauert hat. 
Nie gab es  zwischen den beiden Mädchen nur eine einzige Streitigkeit, keine Aggression,
niemals irgendeine Form von Geknurre. Jill war Grace' beste Freundin und ihre
geduldigste Spielgefährtin.

Jill hat uns auf vielen Reisen begleitet. Ihr habe ich es zu verdanken, dass sich
mir eine völlig neue Welt der Hundeausbildung erschlossen hat und nicht nur das,
durch diesen unscheinbaren schwarz-weißen Hund habe ich Freunde auf der 
ganzen Welt gefunden. Wäre sie nicht gewesen, wer weiß, vielleicht wäre ich nie
zum Obedience gekommen, vielleicht hätte ich nie zu züchten angefangen und
jetzt lägen mir nicht sieben weitere Border Collies zu Füßen. 
Von der ersten Nacht bei uns hat sie neben meinem Bett geschlafen, ihr Platz, ein
Leben lang. Auch als sie inkontinent wurde und weder Kot noch Urin halten konnte.
Wir haben uns arrangiert, alles mit Decken abgedeckt. Eineinhalb Jahre haben wir
eine Art Altenpflege bei ihr betrieben. Leider blieb es ihr dabei nicht erspart, dass
wir sie fast jeden Tag hinten abduschen mussten. Dennoch war ihre Lebensfreude
ungebrochen. Nicht selten versuchte sie, Seven das Spielzeug abzunehmen oder
mir im Winter einen Handschuh zu klauen. Bis zum letzten Tag hat sie uns auf unserem
Spaziergang begleitet. Als ich abends an diesem Tag von der Arbeit nach Hause
gekommen war, lag sie in der Küche, nicht mehr in der Lage von alleine aufzustehen.
Der Zeitpunkt, den letzten gemeinsamen Schritt zu gehen, war gekommen.
Am 14. Mai um 19.15 Uhr haben wir von ihr Abschied genommen. Sie ist friedlich
neben mir eingeschlafen, nagte bis zuletzt an einem getrockneten Schweinefuß,
eine Delikatesse, die wir ihr lange Zeit vorenthalten mussten, weil sie diese Dinge
nicht mehr vertragen hatte. 

Der Rest unserer Meute hat ihr stets Respekt gezollt, sie war nie ein Auslöser
für Streitigkeiten, ganz im Gegenteil, sie sorgte für Ruhe und Ordnung zwischen den
anderen Hunden. Bei Spaziergängen war sie es, die sich vor unsere Hunde gestellt hat
um fremde Hunde abzublocken. Mit zunehmendem Alter wurde Luke zu ihrem Partner,
der bei den Spaziergängen nur selten von ihrer Seite wich, der sich nach ihr umsah,
wenn sie wieder trödelte, der abends in ihrer Nähe lag.

Es wird sicherlich noch einige Zeit dauern, dass wir uns während eines Spaziergangs
nicht mehr umdrehen, um uns zu versichern, dass sie auch mitkommt. Sie hatte es
sich im Alter angewöhnt, öfter mal stehen zu bleiben, um nach fressbaren Dingen
zu suchen. 

Werner und ich haben sie im Garten begraben, dort wo sie ihre letzte Ruhestätte
gefunden hat, fängt gerade die frisch gepflanzte Rose damit an, ihre ersten Blüten
zu öffnen.

Ein Leben in Bildern